Vorwort zum Buch
 

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Willkommen im fantastischen Museum von Chris Mennel. Riesige Bilder erwarten dich hier, so groß wie eine Buchseite. Menschen werden klein vor diesen Bildern. Phantaphotos sprengen. Sie wünschen sich maximal Platz. Ein Kino der Bilder durchwanderst du hier. Sie zeigen teilweise ihren Entstehungsprozess: Zunächst kommt das anfängliche Foto. Kommt ein Hauch Wirklichkeit. Und alsbald schaukeln sich die Szenen hoch bis zu ihrer Explosion, beginnt der Sturm der Fantasie.


Chris sagt sich gelegentlich: Hör auf damit. Hör auf zu spielen. Hör auf, über den Rand hinaus zu gehen. Bringe nicht die Horizonte zum wanken. Aber die Szenen hier sind es, die Chris in Fotografien sieht: Das Weiterwandern anfänglicher Fotos hinaus zu fantastischen Gemälden. Bei manchen Fotos geschieht für Chris eine solche Verwandlung - bei jedem hundertstem, jedem tausendsten vielleicht. Das reicht aber: Seit etwa dem Jahr 1998 kann Chris Fotos auf seine persönliche Art digital verfremden. Sein Museum der "Phantaphotos" - schön altmodisch mit "PH" geschrieben - ist, spielerisch gewachsen, mittlerweile ein Großgebäude.

Fotos überschwemmen die Welt seit ungefähr der Jahrtausendwende. Sie schwammen schon zuvor hundert Jahre lang, heraus aus den Fotolabors. Jetzt schwimmen sie heraus aus dem Computer. Jeder hat eine digitale Maschine, die ein Foto-Maschinengewehr ist: Die Welt wird fotografisch plattgefeuert.

Die ganze Welt? Chris Mennel feuert mit den Phantaphotos zurück, feuert über das Foto hinaus. In seinem Phantaphoto-Buch kommt glatte Kunst, ein glatter Durchschuss durch die Wände der Wirklichkeit. Was wirklich war, das Bildmotiv der Kamera, weicht zurück wie eine Kulisse, wie ein Vorhang. Es öffnet sich das Theater der inneren Sicht, der Interpretation einer Szene. Hier wird manch Mögliches hinter dem Wirklichen wunderbar sichtbar. Es ist eine Kunst, die Fantastik der Welt so sichtbar zu machen, wie Chris sie hier zeigt.

Wir versuchen vorerst nicht, die wunderbaren Sichtweisen groß in Galerien aufzuhängen, den Kunden anzubieten, ihr ausgewähltes Werk von Chris Mennel über dem Sofa zu platzieren, dem Bett zu widmen, die Küche damit zu schmücken oder auch ein freches Phantaphoto auf dem Klo zu verstecken. Wir bleiben beim Buch und zeigen die Möglichkeiten auf, die Chris geschaffen hat für Sofa, Bett und Küche.

Surreal ist das hier. Dali und Max Ernst waren die Pioniere. Wer ist diesen tapferen Malern mit Pinsel und Leinwand in der Computerwelt nachgefolgt? Nur Chris? Sind die Werke hier einmalig, weil die Künstler beim "digitalen Malen" Probleme mit der Kopierbarkeit ihrer Werke hatten? War das Gemurmel der Foto-Profis zu laut: "Ein Foto muss so tun, als ob es echt wäre"? Liebe Leute, die kunstvolle Fotografie besteht seit ihrem Anbeginn aus Mogeleien, aus Retuschen, aus Neubauten.

Chris ist ein extremer Maler. Dali hätte gejubelt, wenn er die digitalen Pinsel hätte schwingen dürfen wie Chris. Aber Dali hätte nur ein Tausendstel des Geldes für seine digitalen Surrealismen bekommen, wie er es zur "Gemäldezeit" erhielt. Chris verschenkt Prachtvolles nun im Buch. Chris sagt "Ist ok so". Genießt die Phantaphotos hier, zum Preis von zehn Bier, und hängt euch Poster auf Papier über das Sofa.

Hinweis: Dieses dritte Vorwort zu den Phantaphotos vom 4.12.2022 bezieht sich auf ein Buch, das es noch jahrelang vermutlich nicht gibt :-)